Das Behandlungsverfahren

Das im nunmehr langjährigen Betrieb ständig weiter entwickelte, inzwischen automatisch und kontinuierlich ablaufende Behandlungsverfahren trägt den je nach Jahreszeit und Witterung auftretenden starken Schwankungen und kurzfristigen Änderungen in Bezug auf Menge und Eigenschaften des zufließenden Bachwassers Rechnung. Die Voraufbereitung erfolgt gemäß der schematischen Darstellung in folgenden Verfahrensschritten:

Überlauf aus einer Pumpenförderleitung in den Verteilerkanal

1. Destabilisation
Das zu behandelnde Wasser wird der Vorsperre entnommen und in einem Einlaufbauwerk am Ufer je nach Zufluss von bis zu sechs Pumpen mit einem Förderstrom von je 3.000 m³/h in ein Mischbecken mit anschließendem offenen Verteilungskanal auf die Höhe der Voraufbereitungsanlage gehoben. Unter Ausnutzung der bei der Förderung in den Pumpen erzeugten Turbulenz wird das zum Ausfällen der gelösten sowie zur Flockung der kolloidal und suspendiert vorliegenden ungelösten Phosphorverbindungen, Trübstoffe und Algen als Flockungsmittel dienende Eisensalz eingemischt. Der für den Ablauf der so genannten Destabilisationsprozesse entscheidende Flockungs-pH-Wert wird durch Zugabe von Lauge oder Säure in das Wasser exakt eingestellt.

2. Aggregation
Die nach dem ersten Verfahrensschritt mit der Einmischung des Flockungsmittels entstandenen Mikroflocken sind noch nicht abfiltrierbar, sondern müssen in einem zweiten Schritt durch gezielten Eintrag von Energie miteinander in Kontakt gebracht werden (Aggregation). Dieser Vorgang des Zusammenwachsens der Mikroflocken findet im Reaktionsbecken durch Rührwerke statt, die den in der Filterhalle untergebrachten Filterbecken vorgeschaltet sind.

Rührwerke in den vor den Filtern angeordneten Reaktionsbecken (Aggregationsstufe)

3. Filtration
Die nunmehr optimal ausgebildeten Flocken gelangen im Wasserstrom auf die insgesamt zehn offenen, mit einer 2 m hohen Wassersäule überstauten Doppel-Schnellfilter. Das vorbehandelte Wasser verteilt sich aus einer in der Mitte der Betonbecken verlaufenden Verteilerrinne nach beiden Seiten und passiert die drei übereinander lagernden Filtermaterialien mit von oben nach unten abnehmender Korngröße. Die Flocken verschiedener Größe werden in den Zwischenräumen der Filterkörner zurückgehalten. Durch das unterschiedliche spezifische Gewicht der Filtermaterialien (Aktivkohle, Hydroanthrazit und Quarzsand - siehe Verfahrensschema) wird sichergestellt, dass durch die Rückspülung der beladenen Filter mit Luft bzw. Wasser bei hohen Geschwindigkeiten die darin angereicherten Flocken ausgetragen und keine unerwünschte Vermischung der verschiedenen Filtermaterialien stattfindet.

Filterhalle

Jeder Filter hat eine Fläche von 120 m² (Gesamtfilterfläche: 10 x 120 m² = 1.200 m²) und kann mit einer Filtriergeschwindigkeit von bis zu maximal 15 m³/h, demnach also mit einer Wassermenge von bis zu 1.800 m³/Stunde (alle 10 Filter gleichzeitig mit 18.000 m³/h), beaufschlagt werden. Je nach Durchsatz der Anlage und Rohwasserqualität werden Laufzeiten der Filter von minimal 6 und maximal 60 bis 80 Stunden erreicht. Dabei wird das Ende der Beschickung eines Filters entweder durch Mitreißen von Flocken in das filtrierte Wasser (Filtrat) oder durch Verstopfung der Poren des Filterbettes erreicht.

Das unter dem Filter abfließende Filtrat, in dem der Restgehalt an Flockungsmittel sowie die Resttrübung kontinuierlich gemessen werden, wird in einem durch die Vorsperre verlaufenden geschlossenen Betonkanal in die Hauptsperre eingeleitet.

Offenes Multi-Barrieren-System: Absetzbecken zum Abtrennen der Feststoffe aus dem Spülwasser

Die Phosphor-Eliminierungsanlage an der Wahnbachtalsperre ist ein wichtiges Kettenglied in dem zum Schutz und zur Sicherheit der Trinkwasserversorgung aufgebauten Multi-Barrieren-System. Es reicht von Kontrollen und Maßnahmen im Einzugsgebiet und den Zuläufen gegen mögliche Verunreinigungen, der Voraufbereitung, dem Abbau von Stoffen im Stausee, der Trinkwasseraufbereitung mit Desinfektion bis zur Überwachung des Trinkwasserverteilungsnetzes zum Verbraucher und garantiert, dass jederzeit alle Anforderungen an das Trinkwasser als das wichtigste Lebensmittel erfüllt sind.

Rohwasserförderpumpen mit Druckleitungen zu den Überlaufen in den Verteilerkanal

Durch den Betrieb der Phosphor-Eliminierungsanlage wurde der Wahnbachstausee aus einem nährstoffreichen (eutrophen) in einen nährstoffarmen (oligotroph-mesotrophen) Gewässerzustand zurückgeführt.

 


Trinkwasser
Anschrift
Wahnbachtalsperrenverband
Siegelsknippen
53721 Siegburg
Wir sind für Sie da
02241-128-0